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Der Weg zum integrierten Transportmanagement

Volvo Cars, Lear und Bosch stellen iTMS-Konzepte auf Automotive Logistics Day vor

Automobilhersteller und -zulieferer verfügen heute über komplexe globale Produktionsnetzwerke und stehen jeden Tag vor der Herausforderung, ihre Transport- und Logistikprozesse kostenoptimal zu planen, steuern und betreiben. Häufig fehlen ihnen dabei jedoch die nötige Transparenz und die Möglichkeit, in bestehende Prozesse einzugreifen. Durch ein aktives Management der Transportnetzwerke von der Planung über die Steuerung bis zur Rechnungskontrolle lassen sich Kosten signifikant reduzieren und die Kontrolle zurückerlangen.

Eindrücke vom 4flow Automotive Logistics Day

Zum Themenschwerpunkt integriertes Transportmanagement trafen sich am 26. Februar rund 80 Teilnehmer zum Erfahrungsaustausch auf dem gemeinsam von 4flow und inet-logistics veranstalteten Automotive Logistics Day in München. In Vorträgen und Breakout-Sessions berichteten Projektleiter von Volvo Cars, Lear und Bosch sowie die Spezialisten von 4flow und inet-logistics, wie sie globale Transportnetzwerke optimiert, Prozesse standardisiert und Transportbündelungseffekte realisiert haben.

Mit Insourcing in kürzester Zeit zum Erfolg

Wie die Volvo Car Corporation ihr komplettes Inbound-Transportnetzwerk innerhalb von nur zehn Monaten komplett reorganisiert hat, berichtete der Director Global Logistics Network Design Lars Krafft. Seit 2010 gehört der schwedische Autobauer zum chinesischen Fahrzeugkonzern Geely. Mit dieser Veränderung fand auch eine Neuausrichtung der Unternehmensstrategie statt. Diese rückte die Logistik als eigene Kernkompetenz und als Erfolgsfaktor für das geplante signifikante Wachstum wieder in den Fokus. Dies beinhaltete ein Insourcing der zuvor von einem externen 3PL geplanten und gesteuerten Logistik und den Aufbau einer internen Logistikorganisation inklusive der Einführung eines integrierten Transportmanagementsystems (iTMS). So sollten vor allem Transportkosten reduziert, die Transportplanung und Liefergenauigkeit verbessert sowie globale Logistikentscheidungen unterstützt werden.

Das komplexe Supply-Chain-Netzwerk von Volvo Cars umfasst über 1.500 Zulieferer, vier europäische und drei chinesische Werke, eine Montagefabrik in Malaysia und über 2.500 Autohändler in rund 100 Ländern. „Die Umstrukturierung umfasste drei Projekte: Erstens das Transport-Netzwerk, zweitens die Organisation und Prozesse sowie drittens das IT-System“, beschrieb Krafft das Vorhaben. Im ersten Schritt analysierte und optimierte der Autobauer seine gesamte Beschaffungslogistik innerhalb Europas und damit rund 1.500 Sendungen pro Tag beziehungsweise 330.000 Sendungen pro Jahr mit einem Transportkostenvolumen von insgesamt 180 Millionen Euro pro Jahr. Um die Transportkosten zu reduzieren, wurde entschieden, kleinteilige Sendungen über Cross-Docks nahe den Werken zu bündeln und hochfrequente Lieferungen über Milkruns zu optimieren. Zudem sind die Transportdienstleistungen separat für 16 definierte Regionen mit hohem und fünf Regionen mit geringem Volumen ausgeschrieben worden, um für jede Relation den günstigsten Anbieter zu finden.

Im zweiten Schritt hat Volvo auf dieser Basis die Transporte neu ausgeschrieben und schließlich mit insgesamt 16 Dienstleistern Kontrakte geschlossen. Parallel dazu begann die Implementierungsphase der neuen Prozesse und IT-Systeme. 4flow consulting unterstützte Volvo Cars von der Strategie über den Organisationsaufbau bis hin zur Implementierung. 

Zur nachhaltigen Transportplanung und zur Abwicklung aller Inbound-Transporte der Werke kommt das integrierte Transport- und Container-Managementsystem von 4flow und inet-logistics zum Einsatz. Die Transportplanung ermöglicht es, Veränderungen im Netzwerk zu erkennen und dynamisch die richtigen Transportkonzepte auszuwählen. 

“Ein wesentlicher Erfolgsfaktor eines solchen Projektes ist ein gut strukturierter Kommunikationsplan mit umfassenden Schulungs- und Kommunikationsmaßnahmen für alle beteiligten Mitarbeiter sowie für die integrierten Lieferanten, Dienstleister und Transporteure. Für Informationen und Feedback sind regelmäßige Treffen und Gespräche unerlässlich – auch nach dem Go-Live“, resümierte Krafft. Daher richtete Volvo Cars zur Koordination der Nutzeranfragen einen Helpdesk sowie ein Ticket-System ein, um Fragen und Probleme der Anwender strukturiert bearbeiten zu können. Tägliche Steuerungsmeetings und ein enger Kontakt zu den Werken waren für die Lösung wiederkehrender Probleme ein wichtiger Erfolgsfaktor. 

„Es ist uns gelungen, 15 bis 20 Prozent Einsparungen zu erzielen und gleichzeitig haben wir eine bessere Kontrolle über unsere Transporte gewonnen“, bilanzierte Krafft und sieht das System und die Prozesse 18 Monate nach Implementierung in Europa jetzt in der Feinabstimmung. Aufgrund dieses Erfolgs wird das Projekt auch bei Volvo Cars in China ausgerollt. 

Nachhaltige Kostenreduzierung durch kontinuierliche Transportoptimierung

Transparenz und eine optimierte Transportplanung waren neben der Kostenkontrolle und -reduzierung die treibenden Faktoren für den Tier-1-Lieferanten Lear Corporation, das Projekt „One Lear Transportation Network“ ins Leben zu rufen. Der Hersteller von Autositzen im Premiumsektor sowie von elektrischen Verteilersystemen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Ziel des Projektes war es, alle 54 Werke in Europa und Afrika mit ihren Inbound-Verkehren – rund 2.400 Lieferungen pro Woche – in ein Transportnetzwerk zu integrieren, dieses zu optimieren und Prozesse zu standardisieren. Dazu mussten mehr als 3.000 Nutzer, 1.100 Lieferanten-Standorte, 60 Entladestellen und 35 Transporteure in ein gemeinsames System eingebunden werden.

„Unsere anfallenden Inbound-Transportkosten liegen jährlich im dreistelligen  Millionenbereich. Bisher war jedes Werk selbst für die Transportoptimierung und die Verhandlung der Transportraten zuständig. Das war wenig transparent und ermöglichte kaum Bündelungen von Transporten“, schilderte Dennis Henning, Head of Logistics Europe and Africa & Global Head Materials Management Center of Excellence bei Lear, die Ausgangslage.

Im ersten Schritt optimierte Lear mit verschiedenen Maßnahmen das Transportnetzwerk und die Transportkosten für zunächst 25 Werke. Anschließend implementierte Lear eine zentrale Transportorganisation und ein Hub-Netzwerk mit fünf, in Kürze sechs Hauptumschlagplätzen, um vor allem bei den langen Transportwegen von Zulieferern aus Osteuropa und Nordafrika kleinere Sendungen zu bündeln und damit Kosten  einzusparen. Ganzladungsverkehre werden über ein Full-Truck-Load-Netzwerk in Direktverkehren abgewickelt, während definierte kleinere Sendungen für die Werke über ein Milkrun-Netzwerk zusammengefasst werden. Gemeinsam mit 4flow und inet-logistics führte Lear ein iTMS mit werksübergreifend standardisierten Prozessen ein. Das anschließend schrittweise für alle Werke, Lieferanten und Spediteure in Europa und Afrika implementierte TMS  unterstützt die inzwischen über 3.000 aktiven Nutzer von der strategischen Transportnetzwerkplanung bis zur Frachtkostenabrechnung. Die einheitlichen Prozesse, Strukturen und IT-Systeme und die damit geschaffene Transparenz im Transportbereich mit Track-&-trace-Funktion bis auf Artikelebene vereinfachen die Abwicklung und Abstimmung für alle Parteien. Zudem ist Lear in der Lage, lückenlos für jeden Artikel alle anfallenden Kosten zu erfassen sowie die Transportkosten und die Lagerkosten gemeinsam statt isoliert voneinander zu optimieren.

Nach dem Konzept eines pull-gesteuerten Transportnetzwerkes werden die Lieferabrufe von allen Werken heute bei den einzelnen Lieferanten konsolidiert, gemeinsam abgeholt und mit anderen Lieferungen im nächsten Hub zusammengeführt. „4flow management plant als 4PL für uns kontinuierlich alle Lieferrelationen, identifiziert proaktiv optimale Routen auf Basis der Lieferabrufe und passt die Transportroute tagesgenau an den tatsächlichen Bedarf an. Und das Transportmanagement, das vorher in der Verantwortung der einzelnen Werke lag, wird nun zentral effizienter und mit weniger Gesamtressourcen bewältigt . Dadurch konnten wir auch bessere Konditionen und Frachtraten aushandeln“, benannte Henning erste konkrete Erfolge. Durch die Verbesserung der Stammdaten würden sich zudem weitere Möglichkeiten ergeben auch interne Prozesse und Kapazitäten zu optimieren.

iTMS rückt in strategischen Fokus

Die Resonanz der Teilnehmer der Veranstaltung zeigte, dass in immer mehr Unternehmen die Optimierung der Logistik und dabei vor allem der Inbound- und Outbound-Verkehre in den strategischen Fokus rückt. Dabei gilt es nicht nur Einsparpotenziale zu realisieren, sondern auch die Transparenz über das Transportnetzwerk und die Prozesse zu erlangen, um weiter profitabel wachsen zu können.

Autorin: ANJA SEEMANN, freie Fachjournalistin, hat im Auftrag von 4flow den Automotive Logistics Day begleitet.

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