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Transporte global steuern und optimieren

Bosch setzt standardisiertes Transportmanagement-System zur Planung und Abwicklung der weltweiten Verkehre ein

Die Robert Bosch GmbH hat 2014 damit begonnen, ihr Transportmanagement weltweit durch einen ganzheitlichen Prozess- und Strukturwandel neu zu gestalten. Nach erfolgreichen Pilotprojekten in Europa und China rollt Bosch derzeit zusammen mit 4flow regionale Transportmanagement-Center (TMC) global aus.

Die Bosch-Gruppe arbeitet als international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen in einem weltweiten Entwicklungs-, Fertigungs- und Vertriebsverbund. Dazu gehören 270 Werke sowie Niederlassungen und Regionalgesellschaften in über 50 Ländern. Entsprechend komplex gestaltet sich das Transportnetzwerk, das sowohl die Inbound-Verkehre von den Lieferanten zu den Standorten als auch die Outbound-Verkehre mit der Belieferung von Kunden oder der Versorgung der eigenen Niederlassungen umfasst. Pro Jahr fallen bei Bosch weltweit Transportkosten im Bereich von einer Milliarde Euro an, 60 Prozent davon allein für Straßentransporte. Eine gewaltige Summe, die erhebliches Einsparpotenzial verspricht.

Mit dem Ziel, zehn Prozent der jährlichen Transportkosten einzusparen, entschied das Bosch-Management Ende 2013, weltweit ein einheitliches Transportmanagement aufzubauen. Das Projekt sollte alle vier Unternehmensbereiche mit insgesamt 19 Geschäftsbereichen und 270 Standorten weltweit integrieren – eine große Herausforderung auch für Christine Mezger-Behan, die als Projektverantwortliche die Federführung für die weltweite Implementierung der TMC bei Bosch übernommen hat: „Bosch hat ein sehr breites Spektrum an zu transportierenden Gütern – von Komponenten und Systemen für die Automobilindustrie bis hin zu Turbinen für Windräder. Das stellt sehr viele Anforderungen an unsere Transportmanagement-Prozesse. Trotzdem wollten wir weltweit ein Informationssystem, einen Prozess sowie einen IT-Standard implementieren.“ Als Berater, Software- und 4PL-Anbieter unterstützt 4flow die Bosch-Gruppe bei der Analyse des IST-Zustandes sowie der Entwicklung und Umsetzung der neuen Strategie. „Bei der Einführung eines integrierten Transportmanagements geht es nicht um einmalige Kostenreduzierungen, sondern um die kontinuierliche Planung und Optimierung der Transporte sowie Routen und damit um die nachhaltige Reduzierung von Kosten. Hierfür müssen in der Regel Netzwerke, Prozesse, Organisation und IT in wesentlichem Umfang neu gestaltet werden“, erklärt Kai Althoff, COO von 4flow.

Vorausschauend planen und kontinuierlich verbessern

Die vier Aufgabenbereiche der regionalen TMC

Bosch setzt auf ein integriertes Transportmanagement. Weltweit entsteht in jeder Region ein TMC, in dem Logistik-Experten künftig das Transportnetzwerk für die jeweilige Region kontinuierlich optimieren. Die Aufgaben der entsprechend geschulten Bosch-Mitarbeiter reichen von der Planung und Implementierung neuer Routen bis hin zur täglichen Abwicklung mit Buchung der Transportkapazitäten oder der Frachtkosten-Abrechnung inklusive Controlling und Berichtswesen. In den bereits im Aufbau befindlichen TMC in Budapest (für die Region Europa) und Shanghai (für die Region China) werden die Bosch-Mitarbeiter dabei vor Ort von den Spezialisten von 4flow unterstützt. Beide Teams arbeiten softwareseitig mit dem integrierten Transportmanagement-System (iTMS) von 4flow. 

Mit der Einführung des iTMS wird die Leistungsfähigkeit von Strukturen, Prozessen und Dienstleistern über verschiedene Kennzahlen messbar. Diese Transparenz erlaubt es, das Transportnetzwerk kontinuierlich dynamisch zu optimieren, ständig zu verbessern und flexibel auf Schwankungen zu reagieren. Auch Transportbündelungseffekte können damit besser erkannt und genutzt werden. „Vorher wurden zum Beispiel Milkruns nur von einzelnen Werken betrieben – die Bündelung von Transporten verspricht aber das größte Optimierungspotenzial bei werksübergreifenden Verkehren“, berichtet Christine Mezger-Behan. Ein weltweit einheitliches Informationssystem vereinfacht zudem den Abrechnungsprozess und unterstützt die schnelle Klärung von Unstimmigkeiten. „Der Erfolgsfaktor für ein integriertes Transportmanagement liegt darin, dass Routen täglich optimiert werden, für jede Sendung das optimale Transportkonzept ausgewählt wird und Bedarfe kurzfristig angepasst werden können. Wenn ein LKW mit einer Sendung zum Beispiel nur zu 20 Prozent ausgelastet wäre, würden wir, wenn möglich, anderes Material vorziehen oder das Volumen über ein anderes Konzept, beispielsweise als Stückgut-Ladung oder im Milkrun-Verfahren, transportieren“, erklärt Rainer Schmitz, Manager bei 4flow.

Die einzelnen Bosch-Werke und -Standorte werden über eine Schnittstelle an einen Electronic-Data-Interchange-Manager angebunden, der die Daten an das iTMS weitergibt. Das hat den Vorteil, dass jedes Enterprise-Resource-Planning-System (ERP-System) weltweit kostengünstig über eine Standardschnittstelle integriert werden kann. „Eine Herausforderung bei der Umsetzung stellt häufig die Qualität der Stammdaten dar, um die benötigten Transportvolumen korrekt berechnen und so Transportkapazitäten optimal auslasten zu können. Sind zum Beispiel Verpackungsabmessungen noch nicht im ERP-System hinterlegt, müssen diese zunächst manuell erfasst werden, denn für die kostenoptimale Planung und die operativen Prozesse sind durchgängige und korrekte Daten wesentlich“, betont Rainer Schmitz.

Pilotprojekte in Europa und China

Um die weltweite Akzeptanz der neuen Organisation und Prozesse inklusive des neuen IT-Systems zu erhöhen und möglichst viele Transportkonzepte bereits frühzeitig abzudecken, implementierte Bosch neben dem Pilotprojekt für Europa, mit drei Werken in Ungarn, parallel ein Pilotprojekt mit vier Standorten in China. Während in Europa der Fokus auf den Inbound-Verkehren im europaweiten Lieferantennetzwerk lag, konzentrierte sich Bosch bei der Implementierung in China auf die Outbound-Verkehre. Dabei unterscheidet sich das Angebot am Markt erheblich: Während es in Europa eine breite Auswahl an erfahrenen großen und mittleren Dienstleistern gibt, sind in China viele kleine Transportunternehmen meistens als Subunternehmer für große Logistikanbieter tätig. Bei der Analyse des Transportnetzwerks erwies sich aus 14 Szenarien eine Struktur aus acht Cross Docks in den vier Regionen North (Beijing, Changchun), East (Suzhou, Shanghai), South (Guangzhou, Liuzhou) und Middle/West (Changsha, Chongqing) als optimales Netzwerk mit den signifikantesten Kosteneinsparpotenzialen.

Trotz der unterschiedlichen Gegebenheiten der Märkte und Anforderungen der Geschäftsbereiche, aber auch der Inbound- und Outbound-Verkehre, konnte Bosch seine neue Strategie mit einem einheitlichen Prozess- und IT-Standard in beiden Regionen erfolgreich innerhalb von wenigen Monaten umsetzen. In Europa sind in dieser Zeit drei ungarische Werke, 1.200 Transportrelationen sowie vier große und 16 kleinere Logistik-Dienstleister integriert worden. In China konnten parallel vier Werke, 3.500 Vertriebspartner und drei Logistik-Dienstleister erfolgreich implementiert werden. „Zunächst hieß es in jeder Region, bei uns ist alles anders. Aber am Ende muss immer etwas von A nach B transportiert werden. Unser Ziel, die Transportnetzwerke zu optimieren und dadurch die Transportkosten zu reduzieren, können wir nur durch die Transparenz eines weltweit integrierten Systems erreichen“, erklärt Christine Mezger-Behan und Rainer Schmitz ergänzt: „Ein häufiger Kritikpunkt sind erhöhte Bestandskosten, wenn wir Kapazitäten zusammenfassen und Lieferanten zum Beispiel nur noch einmal wöchentlich statt täglich anliefern lassen. Die Bestands- und die Transportkosten fließen aber gleichwertig in die Total-Cost-of-Ownership-Berechnungen ein. Außerdem lassen sich die Bestände in Summe durch eine bessere und exakte Planung eher senken, da weniger Reservebestand oder Puffer in der Wiederbeschaffungszeit eingeplant werden müssen.“

Mit Change-Management zum Erfolg

Maßgeblich für eine schnelle und erfolgreiche Umsetzung sind klare Strukturen und Verantwortlichkeiten sowie ein zielgruppenorientiertes Change-Management. „Insgesamt ist der Kommunikations- und Trainingsbedarf des Einführungsprojektes relativ hoch. Denn aufgrund der cross-funktionalen Anforderungen und Auswirkungen der notwendigen Veränderungen müssen Projektmitarbeiter aus verschiedenen Bereichen der Supply Chain eng eingebunden und geschult werden“, weiß Kai Althoff aus Erfahrung. Daher setzt Bosch auf verschiedene Trainingsmethoden, um alle Anwender zu erreichen. Die Maßnahmen innerhalb des Implementierungsprojekts reichen von klassischen Unterlagen, Schulungen, Webinars und Demonstrationen zur Nutzung des IT-Systems bis hin zu Selbststudienprogrammen zum Beispiel mit Hilfe von Videos. Wichtig sei jedoch, dass jeder nur in den Systemen und Prozessen geschult wird, die er gerade benötigt, betont Christine Mezger-Behan mit Blick auf eine schnelle Akzeptanz des Systems.

In der schnellen Realisierung und Implementierung sieht Christine Mezger-Behan einen wesentlichen Erfolgsfaktor: „Die Optimierung des Netzwerks, die Implementierung der neuen Prozesse sowie Inbound- und Outbound-Routen in nur sechs Monaten ist Benchmark. Gemeinsam mit 4flow haben wir es geschafft und profitieren von den Erfahrungen des Projekts. Unsere gesetzten Sparziele haben wir bereits erreicht. Jetzt gilt es, den Erfolg fortzusetzen.“ Im Januar startete bereits die Implementierung in Brasilien und Indien, weitere 21 europäische und fünf chinesische Werke folgen in diesem Jahr. Im nächsten Schritt ist zudem geplant, auch die Luft- und Seefracht-Transporte in die TMC zu integrieren.

ANJA SEEMANN arbeitet als freie Fachjournalistin, sie führte das Interview mit Christine Mezger-Behan, Kai Althoff und Rainer Schmitz.

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