Realisierung effizienter Transportprozesse in der Automobilindustrie
Im Industrie-Forschungsprojekt InTerTrans (Integrierte Montageterminierung und Transportplanung) arbeitet die 4flow AG als Konsortialführer gemeinsam mit der Volkswagen AG, der Schenker Deutschland AG, dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik sowie der Technischen Universität Wien seit 2007 an neuen Ansätzen zur Steigerung der Transporteffizienz in der Automobilindustrie. Die Praxistauglichkeit der Konzepte zur gleichzeitigen Optimierung der Montagereihenfolge und der Transportplanung steht dabei im Mittelpunkt. Die Projektpartner versprechen sich davon eine bessere Transportauslastung, weniger gefahrene Kilometer und eine Verlagerung von Straßentransporten auf Schiene und Wasserwege.
Projektfokus
Das InTerTrans-Projekt umfasst zwei Kernbereiche an der Schnittstelle zwischen Produktion und Logistik in der Automobilindustrie: Zum einen werden die Montageterminierung (Festlegung von Montageprogramm und -sequenz) und zum anderen die Planung der Transporte vom Lieferanten zum Werk und vom Werk zum Kunden betrachtet.
 - Projektfokus Transportplanung und Montageterminierung
Ziel ist es, die vorhandenen Potenziale beider Kernbereiche gebündelt zu erschließen. Neben den Materialflüssen spielen die Informationsflüsse und Planungsabläufe eine zentrale Rolle.
Stellhebel zur Realisierung effizienter Transportprozesse
Die Projekterkenntnisse zeigen, dass die wichtigsten Stellhebel bei der Integration von Montageterminierung und Transportplanung die mittelfristige Anpassung des Transportnetzwerks an zu erwartende Produktionsvolumina und die Bildung logistikgerechter Montagesequenzen sind.
Um das Transportnetzwerk mittelfristig anzupassen und schnell auf Veränderungen reagieren zu können, ist eine Periodisierung der Transportplanung erforderlich. Anstatt Transportnetzwerke langfristig und relativ starr auf erwartete Transportvolumina auszulegen, bietet die periodische Transportplanung die Möglichkeit, das Transportnetzwerk proaktiv an zukünftige Volumenänderungen anzupassen. So können Effizienzverluste dauerhaft vermieden und Bündelungspotenziale zeitnah erschlossen werden.
 - Periodische Transportplanung
Mithilfe der Bildung einer logistikgerechten Montagesequenz können Sammelzeiten für Fahrzeuge verkürzt und Fertigfahrzeugbestände reduziert werden. Durch die Berücksichtigung von Logistikanforderungen in der Montageplanung kann bereits bei der Sequenzierung die Logistiklosgröße des später verwendeten Transportmittels berücksichtigt werden. Fahrzeuge, die für denselben Zielmarkt bestimmt sind, werden nacheinander in die Montagesequenz eingeplant, sofern dadurch nicht andere Produktionsregeln verletzt werden. Durch dieses Vorgehen sinkt die Standzeit und in der Distribution wird der Einsatz des Verkehrsträgers Schiene attraktiver, da Ganzzüge schneller gefüllt werden können.
 - Logistikgerechte Montagesequenz
Transparenz und schlanke Planungsprozesse als Wegbereiter einer integrierten Planung
Sowohl die mittelfristige Transportplanung als auch die logistikgerechte Montagesequenzierung erfordern ein hohes Maß an Transparenz über geplante Produktionsmengen und damit verbundene Teilebedarfe sowie über geplante Transportprozesse und vorgesehene Transportkapazitäten. Darüber hinaus spielt die Zusammenarbeit zwischen den verantwortlichen Planern in Terminierung und Transportplanung eine wesentliche Rolle. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, entwickeln die InTerTrans-Projektpartner einen Prozess zur integrierten Montageterminierung und Transportplanung mit geeigneter Softwareunterstützung.
Der Prozess sieht vor, ausgehend von Vertriebsprognosen und Fahrzeugeigenschaften Planaufträge vollautomatisch zu generieren und einzelnen Werken zuzuordnen. Aus den Planaufträgen können wiederum Materialbedarfe und Transportvolumina im Inbound- und Outbound-Bereich abgeleitet werden. So wird der enge Austausch zwischen den Planern zur Abstimmung von Montageplänen und Transporten vereinfacht, um einen reibungslosen Produktionsdurchlauf und effiziente Transporte zu erzielen. Durch definierte Schnittstellen zu Logistikdienstleistern können Partner eng angebunden werden und ebenfalls von der erhöhten Transparenz über zukünftige Transportvolumina profitieren.
Um die anspruchsvollen Planungsaufgaben der integrierten Montageterminierung und Transportplanung für die Planer beherrschbar zu machen, werden sie im Planungsprozess durch Software unterstützt. 4flow vista ist eines der Softwarewerkzeuge, das im InTerTrans-Projekt verwendet wird, um die Potenziale des integrierten Planungsansatzes und insbesondere der periodischen Transportplanung nachzuweisen. Dafür wurden bereits ein Planungsassistent für die periodische Planung, eine Vielzahl zusätzlicher Analysen (beispielsweise Modal Split, Last-Kapazitätsabgleich und Sankey-Analyse auf Postleitzahlenbasis) sowie weitere neue Funktionen konzipiert. Diese befinden sich gegenwärtig in der prototypischen Umsetzung.
Ausblick
Neben der Umsetzung der Softwareunterstützung arbeiten die InTerTrans-Projektpartner aktuell daran, die Potenziale der integrierten Planung im Rahmen von Fallstudien zu evaluieren. Die bisher nachgewiesenen Effizienzsteigerungen sind sehr vielversprechend und unterstreichen das Leistungsvermögen des integrierten Planungsansatzes.
Das Konsortium plant, weitere Aspekte der integrierten Montageterminierung und Transportplanung, wie das Risikomanagement und den Umgang mit Störungen im Kurzfristbereich, zu betrachten. Die enge Zusammenarbeit zwischen Praxis und Forschung hat sich bewährt, um innovative und anwendungsorientierte Ansätze zu entwickeln.
Das Forschungsprojekt InTerTrans wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft und der europäischen Forschungsinitiative Eureka unterstützt. Weitere Informationen finden Sie unter www.in-ter-trans.eu.
Autoren: KATI KASPER-BRAUER und FELIX ZESCH sind Mitarbeiter im Forschungsbereich 4flow research der 4flow AG. Daneben arbeiten sie in Beratungsprojekten von 4flow consulting.
Zurück zur Übersicht 4flow-Newsletter April 2010.
drucken |