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Transportkostenoptimierung in der Konsumgüterindustrie – Neue Ansätze zur operativen Planung

Logistiknetzwerke in der Konsumgüterindustrie sind charakterisiert durch starke, saisonale Nachfrageschwankungen, immer kürzere Produktlebenszyklen und eine steigende Anzahl von Produktinnovationen. Für die Generierung und Erhaltung einer zufriedenen und loyalen Kundenbasis ist eine hohe Regalverfügbarkeit notwendig. Diese lässt sich bei gleichzeitig niedrigem Bestandsniveau nur durch schnelle Reaktionszeiten und kleine Losgrößen gewährleisten. Bei der Bewältigung dieser vielfältigen Herausforderungen kommt den Transportprozessen eine hohe Bedeutung zu. Ziel ist es, das Transportnetzwerk möglichst flexibel zu gestalten und dabei ein hohes Maß an Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sicherzustellen.

 

Outsourcing von Transporten


Das Outsourcing von Transportumfängen stellt insbesondere für Konsumgüterhersteller seit Langem eine Möglichkeit dar, das Transportnetzwerk zu flexibilisieren. Dabei werden, von einzelnen Relationen bis hin zum Betrieb des gesamten Netzwerkes, die Transportaufgaben an einen Dienstleister vergeben. Der hohe Anteil ausgelagerter Transportdienstleistungen in der Konsumgüterindustrie zeigt, dass diese Dienstleistungen heute hochgradig standardisiert angeboten und branchenspezifische Restriktionen, wie z.B. Kühlung und enge Anliefer- und Abholzeitfenster, berücksichtigt werden.


Zur besseren Steuerung der Transporte im Netzwerk kommen seit einiger Zeit verstärkt Transportmanagement-Systeme (TMS) zum Einsatz. Diese übernehmen zentral u.a. die Aufgaben des Auftragsmanagements, der Statusverfolgung, des Tarifmanagements bis hin zur Frachtabrechnung und sorgen so für die notwendige Transparenz über alle Transportaktivitäten innerhalb des Netzwerks.

 

Kostenstrukturen in Transportnetzwerken


Im Rahmen der Outsourcing-Aktivitäten eröffnen insbesondere Stückgut- und Einwegtarife die Möglichkeit, kleine Mengen auch über große Entfernungen deutlich günstiger zu transportieren als dies mit einem eigenen Fuhrpark möglich wäre. Die Bewertung des Leistungspreises der Sendungen erfolgt über ein Tarifwerk. Die Analyse der Tarife zeigt, dass sich diese weiterhin an der Kostenstruktur des Flottenbetreibers, d.h. des Transportdienstleisters, orientieren. Daher besteht auch im Fall eines dienstleisterbetriebenen Transportnetzwerkes ein erheblicher Anreiz, durch höhere Effizienz von Einsparpotenzialen zu profitieren.

 

Resultierende Transportkosten bei Nutzung aller Tarifoptionen
Resultierende Transportkosten bei Nutzung aller Tarifoptionen

 

Die zentralen Kostenbestandteile in Transportnetzwerken bilden Kraftstoff, Personal sowie Abschreibungen auf das Fahrzeug. Sie sind jeweils stark abhängig von der Transportentfernung. Über lange Entfernungen fallen die Transportkosten je Kilometer deutlich niedriger aus als für kurze Entfernungen. Das lässt sich durch Fixkosten erklären, die durch Auftragsabwicklung, Anfahrt zur Ladestelle und Weiterfahrt von der Entladestelle entstehen. Diese sind in der Regel unabhängig von der Transportentfernung und können als fix je Transportauftrag betrachtet werden. Bei Umlage auf die Kosten pro Entfernung führt dies bei steigender Transportentfernung zu sinkenden Transportkosten je Kilometer.


Für Stückgutsendungen (LTL) ist zudem die transportierte Menge und damit die Auslastung des Transportmittels ein weiterer bedeutender Tarifbestandteil. Dabei ist zu beobachten, dass mit zunehmender Sendungsgröße die Transportstückkosten abnehmen.

 

Maßnahmen zur Transportoptimierung


Auf Basis feststehender und im TMS vorhandener Transportaufträge wird versucht, in einem kurzen Zeitraum die Aufträge bspw. der nächsten Woche so zu kombinieren, dass die beschriebenen Einflussgrößen zur Transportkostenreduzierung im Rahmen einer operativen Transportplanunggenutzt werden. Dabei gilt es alle Zeitfenster-, Kühl- und Transportmittelrestriktionen sowie weitere Vorgaben zu berücksichtigen. Die folgenden fünf Kombinationsmöglichkeiten dienen der Optimierung anfallender Transporte:


1. Bündelung: Mehrere Transportaufträge mit denselben Start- und Endstandorten werden so kombiniert, dass daraus ein gemeinsamer Transportauftrag entsteht.


2. Sammeltour: Es werden zwei Transportaufträge von unterschiedlichen Quellen zu derselben Senke zu einer Tour zusammengefasst. Diese beginnt am Quellstandort des ersten Auftrags und setzt sich am Quellstandort des zweiten Auftrags fort, um an der gemeinsamen Senke zu enden. Die höchsten Einsparungen werden erreicht, wenn die beiden Quellstandorte möglichst nah beieinander und weit von der gemeinsamen Senke entfernt liegen.


3. Ausliefertour: Es werden zwei Transportaufträge von derselben Quelle zu unterschiedlichen Senken zusammengefasst. Nach dem Start an der gemeinsamen Quelle wird zunächst die Senke des ersten Auftrags angefahren, um im zweiten Schritt die Transportumfänge an der zweiten Senke zu entladen.

 

Übersicht Kombinationsschemata
Übersicht Kombinationsschemata

 

4. Rundlauf: Das Schema Rundlauf basiert auf der Zusammenfassung zweier Transportaufträge mit entgegengesetzten Quellen und Senkenstandorten. Dadurch wird das Risiko des Transportdienstleisters reduziert, zu einem Auftrag keinen gegenläufigen Auftrag zu finden, der Transportmittel und Fahrer wieder in die Nähe des Depots zurückführt. Das reduziert die Leerfahrtwahrscheinlichkeit, erhöht die Transportmittelauslastung und führt so zu günstigeren Tarifbedingungen.


5. Pick-up and Delivery: Für diese Kombination werden zwei Transportaufträge aneinandergehängt, so dass ein Transportauftrag mit größerer zurückzulegender Entfernung entsteht. Im Idealfall bildet dabei die Quelle des zweiten Transportauftrags gleichzeitig die Senke des ersten, so dass in demselben Standort zunächst entladen und direkt im Anschluss wieder beladen werden kann. Der Nutzen dieser Maßnahme ist insbesondere für sehr kurze Distanzen gepaart mit einer hohen Entfernungsdegression des Tarifs besonders hoch. Alternativ kann zwischen der Senke des ersten Auftrags und der Quelle des zweiten eine kurze Transferdistanz liegen, die leer zurückgelegt wird.


Die aufgeführten Kombinationen können in einem weiteren Optimierungsschritt jeweils wiederum um zusätzliche Aufträge erweitert werden. Die Maßnahmen Bündelung, Sammel-, Ausliefertour und Rundlauf zielen im Kern auf eine verbesserte Auslastung der Transportmittel ab. Dabei haben die Kombinationen eins bis drei insbesondere eine Vergrößerung der Transportmenge je Auftrag zur Folge, daher wird klassischerweise mindestens einer der Ausgangsaufträge vorher im LTL-Modus bedient. Dagegen werden mit Rundlauf und Pick-up and Delivery vor allem mehrere Komplettladungsaufträge (FTL) kombiniert.


Im Rahmen der operativen Transportplanung werden die Kombinationsschemata auf eine definierte Menge einzelner Transportaufträge angewendet, z.B. auf alle Transportaufträge der nächsten Tage. Unter Einsatz eines TMS werden die Transportaufträge an einen Solver übergeben, der zunächst die Kombinationen bildet. Im Anschluss werden diese bewertet. Aus den bewerteten Kombinationen werden dann diejenigen herausgesucht, die die höchsten Einsparungen aufweisen.


Ergebnisse


Das beschriebene Vorgehen ermöglicht in der Konsumgüterindustrie Transportkosteneinsparungen je nach Netzwerk- und Tarifstruktur in Höhe von drei bis zehn Prozent der insgesamt anfallenden Transportkosten. Es gestattet darüber hinaus eine flexible Netzwerkgestaltung und die schnelle operative Anpassung an geänderte Rahmenparameter. Das erlaubt die Planung effizienter Transportaufträge selbst dann, wenn die Planungsvorlaufzeiten sehr kurz und das Netzwerk dynamisch sind. Ein Einsatz der Maßnahmen zur Transportoptimierung ist in Netzwerken der Konsumgüterindustrie besonders sinnvoll. Auf Basis der vorgelagerten Produktionsplanungsschritte, z. B. Losgrößen- und Reihenfolgeplanung, sind die genauen Bedarfsmengen und Zeitpunkte erst spät bekannt und eine taktische Transportplanung ist daher nicht möglich. Mit dem zunehmenden Einsatz von TMS ist die Basis, zeitnahe und standardisierte Bereitstellung der notwendigen Information, für ein solches Vorgehen gelegt und kann für die operative Planung effizienter Transporte genutzt werden.

Autoren: PROFESSOR DR. HANS-OTTO GÜNTHER ist Leiter des Fachgebiets Produktionsmanagement an der Technischen Universität Berlin. THORBEN SEILER ist Senior Consultant der 4flow AG und Doktorand an der TU Berlin.

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