Blog | September 7, 2026

Von der Transportsteuerung zur vorausschauenden Orchestrierung mit Mars

optaire by 4flow für eine ganzheitliche Supply-Chain- und Logistikoptimierung 

Supply-Chain-Verantwortliche stehen unter konstantem Druck. Kosten steigen, Störungen treten immer häufiger auf und die Erwartungen an die Servicequalität bleiben hoch. Dennoch verlassen sich viele Organisationen weiterhin auf fragmentierte Systeme und isolierte Entscheidungsprozesse, die Reaktionszeiten verlangsamen und die Koordination erschweren.

Die Konsequenzen sind erheblich. Isolierte Supply Chains verursachen Schätzungen zufolge Umsatzeinbußen von sechs bis zehn Prozent. Gleichzeitig haben bisher nur fünf Prozent der Unternehmen KI-Initiativen erfolgreich skaliert. Des Weiteren steigen die Supply-Chain-Kosten um zwei bis vier Prozent über die Basisinflation hinaus.

Das ist nicht nur ein systemisches Problem. Es ist vielmehr eine tägliche Herausforderung für Planungs-, Beschaffungs- und Kundenserviceteams sowie operative Führungskräfte, die widersprüchliche Signale abwägen und auf Probleme reagieren müssen, sobald diese sichtbar werden. Diese Verzögerungen haben Auswirkungen auf Werke, Lager, Händler, Ladenregale, Krankenhäuser und Haushalte – und letztlich auf alle Menschen, die auf eine zuverlässige Versorgung angewiesen sind.

Dabei fehlt es nicht an dem nötigen Einsatz. Das heutige Umfeld verändert sich schneller, als fragmentierte Werkzeuge mithalten können. Supply-Chain-Technologie muss über reine Transparenz und Steuerung hinausgehen. Sie muss Organisationen in die Lage versetzen, Risiken frühzeitig zu erkennen, Planung und Ausführung zu verbinden und zu handeln, bevor Störungen eskalieren.

Warum Supply Chains mehr als Transportsteuerung brauchen

Transport-Control-Tower haben einen echten Mehrwert geschaffen: gesteigerte Transparenz, eine verbesserte Ausführung und ein effizienteres Kostenmanagement. Doch sie haben klare Grenzen.

Häufig werden Probleme im Transportbereich sichtbar und nicht dort, wo sie entstehen. Wenn eine Sendung gefährdet ist, liegt die Ursache oft bereits in der Nachfrageplanung, der Kapazitätszuweisung, der Bestandspositionierung oder in Produktionsrestriktionen. In diesen Fällen ist selbst ein starkes Gegensteuern im Transportbereich immer noch reaktiv.

Wenn Teams erst nach dem Auftreten von Problemen handeln können, benötigen sie zu viel Zeit für die manuelle Koordination und späte Eingriffe. Kosten steigen, die Servicequalität leidet und Kapazitäten verlagern sich von strategisch wichtigen Entscheidungen zur Fehlerbehebung.

Supply Chains benötigen nicht schlicht mehr Daten. Entscheidend ist, dass die Daten früh genug in Entscheidungen überführt werden, um Störungen zu verhindern.

Mars und 4flow: ein konkreter Schritt zu einer vorausschauenden Orchestrierung

Mars zeigt, wie dieser Schritt in der Praxis aussehen kann. Als globaler Hersteller von Tiernahrung, Süßwaren und weiteren Lebensmitteln betreibt Mars ein hochkomplexes Netzwerk. Im Jahr 2020 haben Mars und 4flow eine 4PL-Control-Tower-Partnerschaft begonnen. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Transportmanagement. Das Modell verbesserte die Transparenz und erzielte messbare Einsparungen.

Dabei zeigte sich jedoch eine tieferliegende Herausforderung: Viele Logistikstörungen hatten ihren Ursprung nicht im Transportbereich, sondern in vorgelagerten Nachfrageänderungen. In der Folge reagierten Transportteams auf Engpässe, die sich längst an anderer Stelle im Netzwerk gebildet hatten.

So wurde häufig erst zu spät eingegriffen und es entstand ein hoher manueller Koordinationsaufwand. Die Auswirkungen reichten weit über die Transportkosten hinaus: Lieferanten, Mars-Produktionsstätten, Markthallen, Händler und Tierhaltende waren betroffen. Der geschätzte Effekt dieser reaktiven Betriebsweise belief sich auf vermeidbare Ausgaben in Millionenhöhe.

Diese Erkenntnis machte eines deutlich: Das Potenzial lag jenseits der Transportsteuerung.

Fokussierung auf einen wirkungsstarken Anwendungsfall

Um von der Erkenntnis zum Handeln zu gelangen, identifizierten Mars und 4flow einen besonders wirkungsstarken Anwendungsfall: das Management logistischer Kapazitätsengpässe. Die Frage war klar formuliert: Lassen sich künftige Engpässe hinsichtlich Transport- und Lagerkapazitäten früh genug erkennen, um nachgelagerte Störungen zu verhindern?

Anstatt auf Ausführungsstörungen zu warten, bestand das Ziel darin, Planende und Logistikteams für Kapazitätsengpässe zu sensibilisieren – noch bevor Probleme überhaupt auftreten.

Mithilfe von optaire simulierten die Teams künftige Netzwerkzustände, um diesen Ansatz zu testen.

Zukunftsszenarien simulieren mit optaire by 4flow

optaire by 4flow ist eine modulare, KI-native Plattform zur ganzheitlichen Supply-Chain- und Logistikoptimierung. Sie verbindet Netzwerk-, Logistik-, Risiko- und Störungsmanagement – damit Entscheidungen in der Planung und Ausführung nicht mehr isoliert, sondern integriert getroffen werden.

Mit optaire konnte Mars über das Tagesgeschäft hinausblicken und potenzielle Kapazitätsengpässe in der Logistik früher im Planungshorizont erkennen. Sobald Risiken auftauchten, wurden betroffene Bereiche hervorgehoben, sodass Teams sich schnell auf die relevantesten Probleme konzentrieren konnten.

Die Prognosen von optaire konnten Diskrepanzen zwischen der Nachfrage und den verfügbaren Kapazitäten frühzeitig signalisieren. Gleichzeitig bewertete die Plattform operative Echtzeitsignale, um die kritischsten Engpässe zu priorisieren. Kosten, Auslastung und logistische Auswirkungen wurden unmittelbar berechnet und boten den Teams ein klares Bild der wahrscheinlichen Unternehmensfolgen.

Die Einblicke gehen weit über isolierte Warnmeldungen hinaus. Teams sehen nicht nur, dass ein Problem entstehen könnte – sondern auch, welche Faktoren es begünstigen, wo es im Netzwerk auftritt und welche Konsequenzen es nach sich ziehen kann.

Von reaktiven Eingriffen zur vorausschauenden Steuerung

Mit optaire ging Mars von einem reaktivem zu einem vorausschauenden Netzwerkmanagement über. Das Ergebnis: eine erwartete Reduzierung der ungeplanten Kosten um 18 Prozent, Verbesserung der Servicestabilität und ein deutlicher Rückgang der operativen Problembehebung.

Wichtiger noch: Der Anwendungsfall zeigt, was möglich wird, wenn Produkt- und Transportplanung miteinander verknüpft sind: Potenzielle Kapazitätsrisiken lassen sich durch vorausschauende Szenarioplanung proaktiv vermeiden. Die Basis dafür bilden nicht statische Signale, sondern Echtzeit-Informationen zur Nachfrage.

Das ist der Kern einer vorausschauenden Orchestrierung: Engpässe früher erkennen, ihre Netzwerkauswirkungen bewerten und eingreifen, bevor Kosten- und Serviceprobleme eskalieren.

Der nächste Schritt

Für Supply-Chain-Verantwortliche verdeutlicht das Beispiel Mars einen übergeordneten Punkt. Die nächste Phase der Netzwerktransformation zielt darauf ab, ein Umfeld zu schaffen, in dem Planende und Logistikteams abteilungsübergreifend zusammenarbeiten, um Risiken zu minimieren.

Traditionelle Werkzeuge funktionieren oft in einzelnen Bereichen gut – scheitern aber daran, das gesamte Netzwerk zu synchronisieren. optaire unterstützt Organisationen dabei, aufkommende Risiken früher zu erkennen, wahrscheinliche Auswirkungen schneller zu verstehen und bessere Handlungsoptionen zu prüfen, bevor Störungen sich ausbreiten.

KI ersetzt dabei nicht das menschliche Urteil – sie stärkt es. Durch das Aufzeigen der richtigen Signale und die Modellierung wahrscheinlicher Szenarien, ermöglicht KI schnellere und fundiertere Entscheidungen entlang der gesamten Supply Chain.

optaire hat Mars dabei unterstützt, diesen Schritt zu gehen, indem Planungssignale, Kapazitätsrisiken und logistische Auswirkungen in einer gemeinsamen Umgebung zusammengeführt wurden. Das ist das Versprechen einer ganzheitlichen Supply-Chain-Optimierung: nicht nur zu sehen, was geschieht – sondern aktiv zu gestalten, was als Nächstes passiert.

Dieser Beitrag basiert auf einer Präsentation, die beim Gartner Supply Chain Symposium/Xpo 2026 in Orlando, Florida, gehalten wurde.

Autor

Kai Althoff

CEO von 4flow

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