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Blog | 20. Juli 2026
Wenn Daten nicht genügen: Warum Pharma-Supply-Chains an Entscheidungen scheitern
Weshalb der nächste Schritt für KI in der Pharmaindustrie nicht mehr Automatisierung ist
Eine Frage kommt immer wieder in Gesprächen mit Supply-Chain-Verantwortlichen in der Pharmaindustrie auf – meist nach der dritten oder vierten Folie einer KI-Anbieterpräsentation: „Das sieht beeindruckend aus. Aber wie genau verändert das unsere Entscheidungsfindung?“
Meistens kann diese Frage niemand beantworten.
Die Branche setzt KI seit Jahren in unterschiedlichen Formen ein: Tools zur Nachfrageprognose, Plattformen für mehr Transparenz, Routenoptimierer und digitale Control Tower. Die Dashboards sind übersichtlicher, die Datenlage besser. Doch wenn tatsächlich etwas schiefläuft – sei es eine Hafensperrung, ein API-Engpass oder ein Nachfrageschub durch einen Krankheitsausbruch – tendieren viele Teams noch immer zu denselben Diskussionen und Entscheidungen wie vor fünf Jahren. Vielleicht sind sie heute etwas schneller und haben aussagekräftigere Zahlen zur Verfügung. Aber sie handeln nach wie vor reaktiv.
Dies ist kein technologisches Versagen. Es ist ein Zeichen dafür, dass die meisten KI-Initiativen in Pharma-Supply-Chains auf der falschen Ebene stecken geblieben sind.
Was KI tatsächlich leistet: Beispiele führender Pharmaunternehmen
Es lohnt sich, genauer darauf zu schauen, wo KI wirklich bereits etwas bewegt hat – denn die Ergebnisse in einigen Bereichen sind bemerkenswert.
Der Einsatz von KI und Machine Learning in klinischen Studien bei Pfizer ist ein gutes Beispiel: Qualitätsprüfungen und Patientendatenanalysen erfolgen nun 50 Prozent schneller und sind inzwischen in mehr als der Hälfte aller Studien fest verankert. Im Produktionsbereich gelang es durch den Einsatz von KI zur Identifikation und Überwachung von Produktionsproblemen, die Zykluszeit eines kritischen Fertigungsschritts um 67 Prozent zu verkürzen – was 20.000 zusätzliche Dosen pro Charge bedeutete. Das ist kein bloßer Effizienzgewinn. Eine Verkürzung der Zykluszeit um 67 Prozent ist ein strategischer Vorteil, der verändert, was in einer Krise möglich ist.
Ein anderes Beispiel ist das Pharmaunternehmen Roche, das KI für die Kühllkettenüberwachung von Biologika einsetzte. Durch KI-gestützte Sensoren und Analysen zur Erkennung von Temperaturabweichungen in Echtzeit und zur Vorhersage möglicher Routen- oder Geräteausfälle reduzierte Roche Temperaturüberschreitungen um 40 %. Das entspricht geschätzten jährlichen Einsparungen von 10 Millionen Euro bei Logistik- und Produktverlusten.
Was an diesen Beispielen auffällt: KI hat bestehende Prozesse nicht nur beschleunigt. Sie hat dem Team zusätzliche Transparenz und damit zusätzliche Entscheidungsoptionen ermöglicht.
Die eigentliche Herausforderung für Pharma-Supply-Chains: der Sprung von Daten zu Entscheidungen
Das Risikomanagement in pharmazeutischen Supply Chains ist aus einem Grund besonders anspruchsvoll: Die Ursachen von Störungen sind im Nachhinein fast immer klar erkennbar – und in dem Moment, in dem sie eintreten, fast immer unsichtbar. Nachfragesignale sind über Kanäle und Regionen verteilt. Lieferantenprobleme zeigen sich zunächst in subtilen Indikatoren, wie veränderten Liefermustern und Finanzberichten, die niemand systematisch liest. Bei Engpässen lautet die Standardreaktion: Lagerbestände aufbauen, Lieferzeiten verlängern und Lieferanten stärker unter Druck setzen. Dieser Ansatz erhöht in der Regel Kosten und Komplexität, ohne das eigentliche Problem zu lösen.
Die fortschrittlichsten KI-Nachfragemodelle greifen heute auf weit mehr als historische Verkaufsdaten zurück. Sie verarbeiten epidemiologische Daten, Verschreibungsverhalten, Marktzugangsvariationen, Vermarktungsmuster sowie Wetter- und geopolitische Indikatoren. Diese Daten werden zunehmend kontinuierlich aktualisiert – statt nur in periodischen Planungsrunden. Bei Biologika, Impfstoffen und Therapien für seltene Erkrankungen ist diese Aktualität besonders wichtig. Die Nachfrage ist unsicher, die Haltbarkeit begrenzt, und ein Versorgungsengpass ist weit mehr als ein Serviceproblem.
Bessere Prognosen allein beheben das Ausfallrisiko jedoch nicht. Die zentrale Herausforderung bleibt. Selbst mit einer präziseren Vorhersage fehlt den meisten Organisationen die Infrastruktur, um eine überarbeitete Prognose schnell in koordinierte Entscheidungen über Beschaffung, Produktion, Logistik, Qualität und Distribution zu überführen. Der Erkenntnisgewinn ist gegeben. Die Entscheidungsschleife jedoch nicht.
Die Forschung zu KI in Pharma-Supply-Chains hat in den letzten zwei Jahren spürbar zugenommen – weg von theoretischer Exploration, hin zu praktischen Anwendungen in Nachfrageprognose, Bestandsmanagement und Echtzeit-Logistik. Während die Lücke zwischen dem technisch Möglichen und dem operativ Umgesetzten kleiner wird, bleibt die zwischen dem Generieren von Erkenntnissen und dem entsprechenden Handeln groß.
Drei Entscheidungsfelder, in denen KI wirklich etwas verändert
Wie sieht es konkret aus, wenn KI im Entscheidungsprozess einen Unterschied macht?
Entscheidungsfelder
- Entscheidungsfelder
Kontinuierliches Netzwerkdesign
Kontinuierliches Netzwerkdesign
Die meisten Pharmaunternehmen überprüfen ihr Netzwerkdesign einmal jährlich oder nach einer größeren Störung. Doch die Rahmenbedingungen ändern sich laufend durch Tarifänderungen, Lieferantenkonzentrationsrisiken, regulatorische Neuerungen oder Nachfrageentwicklungen.
Organisationen, die digitale Zwillinge zur kontinuierlichen Netzwerkmodellierung nutzen und Szenarien mit Live-Daten testen, treffen grundlegend andere Beschaffungs- und Standortentscheidungen als ihre Mitbewerber. Sie erkennen strategische Fehlentwicklungen, bevor diese zum Problem werden.
Reaktionen bei Störungen priorisieren
Reaktionen bei Störungen priorisieren
In der Pharmaindustrie ist nicht die Frage, ob eine Störung eintritt, sondern wann. Und wenn sie eintritt, mangelt es meist nicht an Informationen. Die Schwierigkeit liegt vielmehr darin, diese Informationen gleichzeitig über mehrere Funktionen und Regionen hinweg in einen priorisierten Aktionsplan zu überführen. Entscheidend ist eine KI, die eine Störung erkennt, sie bestimmten SKUs und Patientengruppen zuordnet, alternative Reaktionspfade modelliert und den besten Kompromiss zwischen Kosten, Servicelevel und Risiken aufzeigt.
Dies verändert das Handeln von Supply-Chain-Verantwortlichen in solchen Momenten grundlegend. Sie beobachten nicht länger nur, sondern sind unmittelbar in der Lage Entscheidungen zu treffen.
Zielkonflikte sichtbar machen
Zielkonflikte sichtbar machen
Entscheidungen in Pharma-Supply-Chains sind fast immer mit expliziten Abwägungen verbunden: Lagerkosten versus Servicegrad, Lieferantendiversifizierung versus Stückkosten, Time-to-Market versus regulatorische Sicherheit. In Organisationen ohne eine Infrastruktur zur Entscheidungsunterstützung werden diese Abwägungen implizit getroffen – geprägt von organisatorischen Gewohnheiten und der Person, die die überzeugendste Tabellenkalkulation liefert. KI-Systeme, die diese Zielkonflikte sichtbar und quantifizierbar machen, verbessern die Qualität der Diskussion auf Führungsebene. Sie ermöglichen es, über Annahmen zu sprechen, anstatt über Schlussfolgerungen.
Kontinuierliches Netzwerkdesign
Die meisten Pharmaunternehmen überprüfen ihr Netzwerkdesign einmal jährlich oder nach einer größeren Störung. Doch die Rahmenbedingungen ändern sich laufend durch Tarifänderungen, Lieferantenkonzentrationsrisiken, regulatorische Neuerungen oder Nachfrageentwicklungen.
Organisationen, die digitale Zwillinge zur kontinuierlichen Netzwerkmodellierung nutzen und Szenarien mit Live-Daten testen, treffen grundlegend andere Beschaffungs- und Standortentscheidungen als ihre Mitbewerber. Sie erkennen strategische Fehlentwicklungen, bevor diese zum Problem werden.
Reaktionen bei Störungen priorisieren
In der Pharmaindustrie ist nicht die Frage, ob eine Störung eintritt, sondern wann. Und wenn sie eintritt, mangelt es meist nicht an Informationen. Die Schwierigkeit liegt vielmehr darin, diese Informationen gleichzeitig über mehrere Funktionen und Regionen hinweg in einen priorisierten Aktionsplan zu überführen. Entscheidend ist eine KI, die eine Störung erkennt, sie bestimmten SKUs und Patientengruppen zuordnet, alternative Reaktionspfade modelliert und den besten Kompromiss zwischen Kosten, Servicelevel und Risiken aufzeigt.
Dies verändert das Handeln von Supply-Chain-Verantwortlichen in solchen Momenten grundlegend. Sie beobachten nicht länger nur, sondern sind unmittelbar in der Lage Entscheidungen zu treffen.
Zielkonflikte sichtbar machen
Entscheidungen in Pharma-Supply-Chains sind fast immer mit expliziten Abwägungen verbunden: Lagerkosten versus Servicegrad, Lieferantendiversifizierung versus Stückkosten, Time-to-Market versus regulatorische Sicherheit. In Organisationen ohne eine Infrastruktur zur Entscheidungsunterstützung werden diese Abwägungen implizit getroffen – geprägt von organisatorischen Gewohnheiten und der Person, die die überzeugendste Tabellenkalkulation liefert. KI-Systeme, die diese Zielkonflikte sichtbar und quantifizierbar machen, verbessern die Qualität der Diskussion auf Führungsebene. Sie ermöglichen es, über Annahmen zu sprechen, anstatt über Schlussfolgerungen.
Warum nur 5 % der Unternehmen KI tatsächlich skalieren
Trotz reger Lieferantenaktivität und intensiver Forschung ist eine breite Nutzung von KI in Pharma-Supply-Chains bisher nur begrenzt vorhanden. Zu den häufigsten Hindernissen zählen Integrationsprobleme mit veralteten Systemen.
Dahinter steckt ein Muster. Pharmaunternehmen haben in den letzten zwei Jahrzehnten massiv in Unternehmenssoftware investiert – von ERP-Systemen über TMS-Plattformen bis hin zu Lagerverwaltungstools. Jede Investitionswelle erzeugte neue Daten, neue Schnittstellen und neue Silos. Viele Organisationen verfügen heute über leistungsfähige Einzelsysteme, die operativ jedoch nicht miteinander kommunizieren.
Organisationen, die mit KI echte Ergebnisse erzielen, lösen zunächst dieses Konnektivitätsproblem. Statt bestehende Systeme zu ersetzen, entwickeln sie eine intelligente Ebene, die darüber liegt. Diese KI-Ebene verarbeitet Signale aus verschiedenen Quellen, pflegt ein kohärentes Bild der Supply Chain und liefert koordinierte Empfehlungen, statt isolierter Warnmeldungen.
Die messbaren Ergebnisse zeigen sich am deutlichsten in den Bereichen Bestandsniveau und -umschlag, Servicelevel und Abfallreduzierung. Dies gilt besonders für Produkte mit hoher Temperaturempfindlichkeit und kurzer Haltbarkeit, bei denen die Fehlertoleranz am geringsten ist.
Wie die Pharmaindustrie ihre Supply Chain Performance mit KI signifikant verbessern kann
Die nächste bedeutsame Verbesserung der Supply Chain Performance in der Pharmaindustrie wird durch das Schließen der Lücke zwischen Erkenntnisgewinn und Handlung entstehen.
Organisationen, die nachhaltige Wettbewerbsvorteile aufbauen, sehen in KI mehr als ein Planungsinstrument oder eine Automatisierungsebene. Sie nutzen sie als eine Art Entscheidungsunterstützungssystem, das das Netzwerk, Logistik, Risiken und die Ausführung gleichzeitig berücksichtigt, aus Ergebnissen lernt und es Teams erleichtert, bessere Entscheidungen schneller zu treffen.
Dazu muss die Supply Chain als integriertes System betrachtet werden – nicht nur als Sammlung funktionaler Bereiche. Unternehmen sollten der KI Raum geben, um strategische Zielkonflikte aufzuzeigen, statt nur bestehende Annahmen zu bestätigen. Zudem wird ein Betriebsmodell benötigt, das tatsächlich auf die gewonnenen Erkenntnisse reagieren kann.
Wenn es darum geht, den Einsatz und Nutzen von KI in Pharma-Supply-Chains weiter zu verbessern, sind nicht die Daten das Hindernis. Die Entscheidungsschleife ist es. Genau dort sollten die entscheidenden Veränderungen ansetzen. Denn dort zeigen sich die vielversprechendsten Ergebnisse.
Sie möchten erfahren, wie eine KI-native Entscheidungsinfrastruktur in Ihre Supply Chain passt? Gerne schauen wir uns Ihre Supply Chain genauer an. Kontaktieren Sie uns und vereinbaren Sie Ihre persönliche Beratung.
Autorin
Daniela Santos
Life Sciences Sales and Strategy