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Blog | September 10, 2026
Wettbewerbsfähigkeit stärken: Wie Europas Automobilzulieferer ihre Supply Chain zum Vorteil nutzen können
Supply Chains haben sich mehr und mehr zum zentralen Wettbewerbsfaktor der europäischen Automobilindustrie entwickelt: Automobilmärkte wachsen nicht in dem Tempo, das mit der Einführung von Elektrofahrzeugen erwartet wurde. Viele Zulieferer waren daher in den vergangenen Jahren zu Restrukturierungsmaßnahmen gezwungen. Ein gewisses Maß an Umstrukturierung ist grundsätzlich unvermeidlich. Typische Maßnahmen, mit denen Unternehmen auf Nachfragerückgänge reagieren, brauchen jedoch Zeit, um sich in Ergebnissen niederzuschlagen – in der Automobilbranche sind allerdings schnelle Lösungen gefragt.
Die gute Nachricht für Automobilzulieferer: Sie können ihre Supply Chain als strategischen Vorteil nutzen und durch gezielte, schnelle Optimierung verhindern, trotz einer insgesamt geringeren Nachfrage ins Hintertreffen zu geraten.
Was die Restrukturierung antreibt
Europäische Automobilzulieferer müssen strukturell wettbewerbsfähig bleiben. Geringe Nachfrage, rückläufige Umsätze und eine hohe Verschuldung zwingen sie dazu, Standorte und Betriebsmodelle grundlegend zu überdenken. Die Produktion von Elektrofahrzeugen lag trotz einer vergleichsweise stabilen Entwicklung deutlich hinter den Prognosen zurück. Stellenabbau ist zur bitteren Realität bei Europas Autozulieferern geworden: Mehr als 100.000 Arbeitsplätze wurden innerhalb von zwei Jahren gestrichen. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die Kosten für Rohstoffe, Gummi und Kunststoffe sowie für Versand und Logistik bis Ende 2026 weiter steigen werden.
Für viele Zulieferer bedeutet das: Restrukturierung ist nötig. Produktionskapazitäten müssen reduziert, konsolidiert oder neu ausgerichtet werden, um der Marktnachfrage gerecht zu werden. Die Strukturen für Fixkosten müssen an ein niedrigeres Volumen angepasst werden. Doch bis messbare Einsparungen sichtbar werden, können Monate oder sogar Jahre vergehen. In der Zwischenzeit verzögern Abschreibungen, Abfindungen, Anlaufkosten und die Komplexität der Umsetzung jeden finanziellen Nutzen noch weiter.
Die Supply Chain als Hebel für schnelle Erfolge
Genau hier werden Logistik und Supply Chain zum entscheidenden kurzfristigen Hebel. Anders als Produktionsanlagen lassen sich Supply Chains recht schnell anpassen und Logistikkapazitäten können bei veränderten Nachfragelagen in andere Branchen umgelenkt werden.
In den meisten Fällen rechnen sich solche Optimierungsprojekte innerhalb weniger Monate, spätestens innerhalb eines Jahres.
Zu schnell wirksamen Kostensenkungsmaßnahmen zählen:
Optimierung der Transportkosten durch intelligentere Netzwerkstrukturen, Preisverhandlungen und eine bessere Auslastung
Schlankere Layoutkonzepte und gezielte Automatisierung zur Verbesserung der Handlingprozesse
Flächeneinsparungen durch neue Lagerkonzepte
Reduzierung der Lagerhaltungskosten durch verbesserte Parameter und eine intelligentere Positionierung von Beständen im gesamten Netzwerk
Schritt für Schritt zu weniger Supply-Chain-Kosten in der Automobilbranche
Der erste Schritt ist die Schaffung einer verlässlichen Kostenbasis. Erheben Sie alle relevanten Daten zu Ihren Supply-Chain-Kosten und führen Sie Interviews mit Mitarbeitenden aus Logistik, Betrieb, Einkauf, Finanzen und weiteren Funktionen. Ziel ist es, die wesentlichen Kostentreiber in Ihrer Organisation zu identifizieren. Bei fragmentierten Supply Chains, wie in der Automobilbranche, liegen häufig nicht alle Daten intern vor. Daher müssen dafür gegebenenfalls externe Partner – etwa Logistik- oder Transportdienstleister – einbezogen werden. Vollständige Transparenz über aktuelle Kosten und Leistungskennzahlen schafft eine klare Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.
Im nächsten Schritt sollten Sie diese Transparenz in konkrete Optimierungsmaßnahmen überführen. Unabhängige Datenanalysen und Erkenntnisse aus Stakeholder-Workshops helfen dabei, potenzielle Maßnahmen zu identifizieren und zu priorisieren – etwa die Konsolidierung von Warenflüssen, die Reduzierung von Leerfahrten oder die Umverteilung von Lagerflächen. Zulieferer sollten kurzfristige Maßnahmen zur Kostensenkung strukturellen oder prozessualen Überarbeitungen vorziehen. Zudem sollten Maßnahmen im Inbound gegenüber dem Outbound Vorrang haben, denn dort haben OEMs und Tier-1-Kunden deutlich mehr Einfluss. Jede Optimierungsmaßnahme sollte quantifiziert und auf Machbarkeit geprüft werden. So entsteht ein gezieltes Maßnahmenportfolio statt einer langen Liste theoretischer Ideen.
Manche Zulieferer neigen dazu, auch in dieser Phase wieder externe Partner einzubeziehen. Es ist jedoch wichtig im Blick zu behalten, dass viele Lieferkostenreduzierungen unmittelbar die Umsätze und Gewinne externer Partner schmälern. Hier die Kosten zu reduzieren ist in den meisten Fällen ein Nullsummenspiel.
Sobald das Maßnahmenportfolio steht, kann die Vorbereitung für die Umsetzung beginnen. Erstellen Sie für jede Maßnahme ein strukturiertes Fact Sheet, das Implementierungskosten, Einsparpotenzial und nächste Schritte darstellt. So entsteht eine gemeinsame Sprache für alle Beteiligten. Das erleichtert die Abstimmung und sorgt für nachhaltige Verbindlichkeit. Gleichzeitig macht es die vorgeschlagenen Maßnahmen greifbar und fördert konkrete Entscheidungen, anstatt vielversprechende Ideen versanden zu lassen. Da Supply Chains in der Automobilindustrie stets eng vernetzt sind, sollten Sie in dieser Phase neben internen Stakeholdern auch Kunden, Lieferanten und externe Dienstleister einbinden. Das verhindert Blockaden und beschleunigt den Umsetzungsprozess.
Jetzt beginnt die eigentliche Umsetzung. Dem Best-Practice-Standard in der Automobilindustrie folgend, sollten Maßnahmen über definierte Implementierungsstufen vorangetrieben werden. Diese reichen vom validierten Potenzial bis zur realisierten Einsparung. Im Vordergrund stehen das Tempo, eine pragmatische Entscheidungsfindung und messbarer Impact. Damit Fortschritte, Schwierigkeiten und realisierte Effekte für alle Beteiligten jederzeit sichtbar bleiben, sollten Sie erzielte Einsparungen transparent verfolgen.
Kostensenkung als Wettbewerbsvorteil
Für europäische Automobilzulieferer ist Restrukturierung zwar notwendig, doch auch sie allein ist nicht ausreichend. Die Optimierung der Supply-Chain-Kosten bietet einen schnellen und flexiblen Hebel, um die Wettbewerbsfähigkeit zu schützen. Umfassendere Kapazitäts- und Personalmaßnahmen können in nachfolgenden Schritten umgesetzt werden. Wer jetzt handelt, schafft Transparenz, identifiziert Einsparpotenziale und stärkt die Resilienz des Unternehmens. Insbesondere in einem volatilen Markt haben diejenigen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, die ihre Kosten senken können, ohne an Servicequalität oder Flexibilität einzubüßen.
Autor
Andreas Weber
Vice President
4flow